Heterarchie und Verdichtung: Das räumliche Konzept der Sammlung Falckenberg ist heterarchisch organisiert. 4 Funktionszonen sind in einer sowohl vertikal wie auch horizontal strukturierten Anordnung miteinander verbunden. Zentrales räumliches Ordnungsthematik ist die Verdichtung. Hierbei werden den unterschiedlichen Funktionszonen unterschiedliche Verdichtungszustände zugewiesen.
Diese wiederum definieren neben der Nutzung auch den Grad der Öffentlichkeit der den Funktionszonen zugewiesen wird. Obwohl sehr unterschiedlichen Charakters, wird den einzelnen Bereichen jedoch keine individuelle Wertigkeit innerhalb des Systems zugeordnet. Es gibt also im System auch keine untergeordneten Bereiche, wie z.B. reine Verkehrswege, Verteiler, oder gar reine Repräsentationsräume. Auch der Grad der Öffentlichkeit und Dichte stellt keine Wertigkeit dar, er hat als differenzierendes Moment lediglich integrativ orientierenden Charakter. So sind die Lager, offen wie auch geschlossen, nicht in dienender oder untergeordneter Funktion zur Ausstellung zu verstehen: Sie sind gleichwertiger Teil des Sammlungskonzeptes. Arbeiten die sich in einem dieser Bereiche befinden sind dort ja temporär, es handelt sich also bei dem jeweiligen Standort der einzelnen Arbeit um eine Zustandbeschreibung zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem konstant dynamischen System. In Weiterentwicklung der bestehenden Sammlung und ihrer räumlichen Situation gibt es auch keine hierarchische Unterscheidung zwischen der Sammlung und der Wechselausstellung mehr. Der nunmehr vergrößerte Bereich Ausstellung entwickelt sich vertikal um den zentralen Kern und ändert seine Widmung Sammlung / Wechselausstellung lediglich durch Inhalte. Ziel des heterarchischen Konzeptes ist es, den Charakter nicht nur der Sammlung Falckenberg, sondern grundsätzlich den Charakter jeder sich dynamisch entwickelnden Sammlung aufzuzeigen und zu interpretieren: Gleich welcher Größe eine Sammlung ist, der einzelne Rezipient kann zu einem gegebenen Zeitpunkt immer nur einen Teil der Sammlung erfassen. Dies trifft in extremis sogar bei einer Sammlung zu, die nur aus zwei Arbeiten besteht, wobei für die vorliegende Betrachtung von größeren Sammlungen ausgegangen wird.
Die Sammlung hat also zu jedem beliebigen Zeitpunkt für den Rezipienten unterschiedliche Identitäten: Die abstrakte Identität: Der Rezipient weiß, dass es die Sammlung gibt. Möglicherweise weiß er auch etwas näheres über die Sammlung, dies ist aber nicht notwendig.
Die abstrakt spezifische Identität: Der Rezipient weiß etwas über die Sammlung. So kennt er z.B. vielleicht den Umfang, oder einzelne Schwerpunkte. Auf jeden Fall hat er, sofern er sich dieser Identität Überhaupt bewusst ist, eine bestimmte Vorstellung von der Sammlung. Das Wissen ist jedoch weiterhin abstrakt, da es zu seiner Existenz keiner unmittelbaren Rezeption bedarf.
Die unmittelbare Identität 1: Der Rezipient befindet sich in der Sammlung, und setzt sich unmittelbar mit einer Arbeit auseinander. Diese unmittelbare Identität der Sammlung ist zunächst nur eine Teilidentität und in sich nicht wirklich als Identität der Sammlung zu werten. Hierzu bedarf es der
Unmittelbaren Identität 2: Diese ergibt sich nachdem der Rezipient einen Teil der Sammlung gesehen und sich mit ihr auseinandergesetzt hat. Diese unmittelbare Identität 2 fließt dann bei weiterer Beschäftigung mit der Sammlung ein in die abstrakt spezifische Identität. Die Sammlung hat also zu jedem beliebigen Zeitpunkt eine Vielzahl von unterschiedlichen Identitäten und Eigenschaften. Die Summe aller dieser Identitäten und Eigenschaften ergibt die eigentliche Sammlung. Das interessante an dieser Betrachtung ist für uns zunächst dies: Die spezifisch räumliche Situation der Sammlung ist nur eine in einer Reihe von identitätsdefinierenden Momenten. Nur die Gesamtheit aller dieser Momente jedoch kann als die eigentliche Identität der Sammlung angenommen werden. Die räumliche Situation der Sammlung ist zunächst lediglich die Bühne für die unmittelbare Rezeption. Gleichzeitig jedoch ist sie die spezifisch verortete Vorraussetzung für die Zusammenfährung der abstrakten und der unmittelbaren Identitäten der Sammlung zu einer Gesamtwahrnehmung. Aufgabe des Raumes ist es also mittels der räumlichen Instrumentarien die unterschiedlichen Wahrnehmungen einer Sammlung zu vereinen und in einer weiteren, einer zusätzlichen
Unmittelbaren Identität 3: Dem Rezipienten als Erkenntnis anzubieten. Diese Erkenntnis ist in ihrem Kern aufgebaut auf der Gleichzeitigkeit der unterschiedlichen Wahrnehmungen, als Bündelung dieser Wahrnehmungen definiert sie den Raum als eigenständig agierendes Wahrnehmungsinstument.






